CD: Poetry

Adam Bałdych

Erscheinungsdatum: 29.10.2021
Dass »Poetry« so außergewöhnlich harmonisch und intim klingt, und dass Paolo Fresu wie ein langjähriges Bandmitglied wirkt, hängt auch mit der Aufnahme zusammen. »Wir sind alle zusammen ins Monochrom Studio im schlesischen Gniewoszów gefahren, ganz abgeschieden zu Füßen der Berge. Mir war wichtig, dass wir uns gerade in Corona-Zeiten frei bewegen konnten, dass wir diese Brüderschaft im Studio leben, uns ohne äußere Einflüsse gegenseitig inspirieren und neues entwickeln konnten. Musikalisch hatte ich alles sehr genau vorbereitet, umso besser konnten wir dann in den Fluss kommen.« Das hört man, und so ist es alles andere als flapsig, wenn man feststellt: Dieses Album ist ein Gedicht.

Ensembles und Musiker*innen:

Adam Bałdych

Paolo Fresu
Paolo Fresu

Trompete, Flügelhorn

Marek Konarski
Krzysztof Dys
Michał Barański

Der polnische Geiger Adam Bałdych gehört nicht nur zu den einzigartigen Virtuosen, sondern auch zu den großen Poeten des aktuellen Jazz. Dass seine Musik eine besonders lyrische Ader hat, gespeist aus der klassisch-romantischen Tradition seines Instruments, aus den typischen Melismen der polnischen Volksmusik, aber auch durch die »Blue Notes« des Jazz, darauf verweisen fast alle Laudatoren des schon vielfach Ausgezeichneten, ob beim ECHO Jazz, beim Grand Prix Jazz Melomani und dem »Frederyk« – den wichtigsten polnischen Jazzpreisen -, bei der Ehrung mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Republik Polen oder kürzlich beim BMW Welt Jazz Award. Es sind tatsächlich eher Gedichte denn Geschichten, die Bałdych mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln kreiert, vom Pizziccato und Battuto über butterweichen Bogenstrich bis zu Verfremdungen und Loops.

Es brauchte freilich erst noch einen Freund, der, nachdem Bałdych ihm einige seiner neuesten Kompositionen angespielt hatte, sagte: »Junge, du bist wirklich ein Poet auf der Geige«, bis der naheliegende Titel für sein neues Album gefunden war: »Poetry«. Weil Bałdych es seit jeher liebt, passende Partner in seine Projekte einzubinden - zunächst vor allem Pianisten wie Iiro Rantala, Yaron Herman und Helge Lien, zuletzt den Cellistenen Vincent Courtois – begab er sich auf die Suche nach einem Gast, der zur Beschreibung musikalischer Dichtung passt. Und kam auf jemanden, den man nach kurzem Nachdenken nicht nur als ebenfalls naheliegend, sondern geradezu als Traumbesetzung ansehen darf: den italienischen Trompeter Paolo Fresu, einem Meister des mediterran leuchtenden Jazz voller poetischer Kraft.

»Ich hatte Paolo schon vor einiger Zeit kennengelernt, als ich auf seinem Festival auf Sardinien spielte,« erzählt Bałdych. »Schon im Gespräch erkannte ich damals eine Art Seelenverwandtschaft, und nach allem, was ich von ihm gehört hatte, konnte ich mir jetzt gut vorstellen, dass sein Sound perfekt passen und mein Album ideal erweitern könnte. Ich lud ihn ein und schickte ihm Material aus den Proben. Er antwortete sofort mit Demoaufzeichnungen, aus denen ich sehen konnte, dass er mühelos Raum gefunden hatte, sich auszudrücken. Bei den Aufnahmen spürte ich dann diese besondere Verbindung, noch bevor wir einen Ton gespielt hatten. Es war eine fantastische Zusammenarbeit.«

Wobei es sicher hilfreich war, dass Baldych den Bogen auf »Poetry« diesmal weiter spannt als vielleicht je zuvor. So unverkennbar sein Geigenton und die hymnischen Qualitäten seiner Kompositionen sind, so vielfältig sind doch die Formen, Farben und stilistischen Einflüsse. Weit weniger »klassisch« als noch auf »Sacrum Profanum«, als er heilige Musik vieler Jahrhunderte elegisch auflud. Vielfältiger auch deshalb, weil er sein polnisches Quartett – in dem vor allem Schlagzeuger Dawid Fortuna nun viel kräftiger und jazziger zu Werke geht - noch um den Saxofonisten Marek Konarski erweitert hat.

Schon die Titel der Stücke zeugen vom weiten Horizont. »Stars«, »Wish«, »Birds«, »Grace« oder »Open Sky« – große Themen und klare Begriffe sind es, die Baldych hier aus dem Spielen heraus imaginiert. Schon beim Opener »Heart Beats«, wenn kontinuierliche Doppelschläge an den Herzschlag denken lassen, der dann melodisch quasi vom Fluss des Bluts umspielt wird. Bei der Inkarnation des Heiter-Spielerischen, wie sie bei der Hommage an seinen Sohn »Teodor« erklingt. Oder beim dramatisch rhythmisierten, aber gleichmäßig rollenden »Psalmody«, das tatsächlich die alten gregorianischen Gesänge in sich trägt. Auch bei dem von einer einfachen, aber kraftvollen »Hookline« getragenen »Hyperballad« von Björk, dem einzigen nicht selbst komponierten Stück des Albums.

Dass »Poetry« so außergewöhnlich harmonisch und intim klingt, und dass Paolo Fresu wie ein langjähriges Bandmitglied wirkt, hängt auch mit der Aufnahme zusammen. »Wir sind alle zusammen ins Monochrom Studio im schlesischen Gniewoszów gefahren, ganz abgeschieden zu Füßen der Berge. Mir war wichtig, dass wir uns gerade in Corona-Zeiten frei bewegen konnten, dass wir diese Brüderschaft im Studio leben, uns ohne äußere Einflüsse gegenseitig inspirieren und neues entwickeln konnten. Musikalisch hatte ich alles sehr genau vorbereitet, umso besser konnten wir dann in den Fluss kommen.« Das hört man, und so ist es alles andere als flapsig, wenn man feststellt: Dieses Album ist ein Gedicht.

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